Die Berenberg Art Consult zu den künstlerischen Reaktionen auf Donald Trump

Das war selten: Nicht dass sich Jan Böhmermann Anfang 2016 über Staatspräsident Erdogan mokierte und deshalb Politiker ebenso wie Juristen auf den Plan rief, um neuerlich die Grenzen von Satire zu reflektieren, sondern das Ausmaß, in dem Donald Trump seit Anfang 2017 Kritik, Aufschreie und heftigste Reaktionen auslöste. Hunderttausende gingen in den USA auf die Straße; den New Yorker Museen und Galerien wurde am Inauguration Day von Trump, dem 20. Januar 2017, die Schließung nahegelegt; Richard Prince erstattete Ivanka Trump, der Tochter des Präsidenten, aus Protest die Summe für den Ankauf eines seiner Werke; Anish Kapoor marschierte mit Protestschildern, um sein Geld für den renommierten jüdischen Genesis-Kunstpreis, immerhin $ 1 Mio., für die rund 60 Mio. Flüchtlinge auf der Welt und ausdrücklich gegen Trump zu verwenden; und das MOMA in New York stellte in seiner Schausammlung auf einmal Werke prominenter Einwanderer anstelle etlicher Meisterwerke der Moderne aus. 

Fast überall im Westen erlebt man eine schlagartige Politisierung von Kunst. Trumps nahezu tägliche Dekrete, mit denen er durchregieren und radikale Wahlversprechen mit harter Hand umsetzen will, erzeugen starken Gegendruck. Die Berenberg Art Consult hat nicht die Aufgabe, politische Meinungen zu vertreten, sie will, soweit möglich, den Kunstmarkt verstehen. Trump aber wird von Kunstkennern, Kunstliebhabern, Sammlern und Künstlern beiderlei Geschlechts nahezu kategorisch bekämpft. Unsere Klientel reibt sich in besonders großem Umfang an ihm. Umgekehrt scheint der neue Präsident die nahezu einzige Behörde, das National Endowment of the Arts, die sich mit öffentlichen Geldern der Kunstförderung gewidmet hat, seit Beginn seiner Amtszeit schließen zu wollen. Denkbar ist auch, damit würde die gesamte amerikanische Kunstförderung nachhaltig in Frage gestellt, dass die Steuerabzugsfähigkeit von Spenden an die dortigen Museen, Konzerthäuser, Theater und andere kulturelle Einrichtungen nach gut einhundert Jahren durch weitere Dekrete oder politische Beschlüsse eingeschränkt wird. 

„Merchants and Masterpieces“ hieß das 1970 aus der Feder von Calvin Tomkins stammende Buch, in dem geschildert wird, wie Banker, Stahlbarone und Ölmagnaten das Metropolitan Museum of Art seit Beginn des 20. Jahrhunderts zu dem gemacht haben, was es ist: Das führende Museum der USA, ein Haus für die Kunst aller Länder und Epochen, das inzwischen sieben Tage pro Woche geöffnet ist und Millionen internationaler Besucher anzieht. Wer im Metropolitan als Mitglied des Board of Trustees zum Jahresende für die kostspieligen Programme keinen großen Scheck geschrieben hatte, den durchfuhren, so Tomkins, die Augen des amtierenden Vorsitzenden John Pierpont Morgan wie die grellen Scheinwerfer eines rasenden Schnellzugs. Denn Härte, so ein Kerngedanke, ob von Republikanern oder Industriellen, kann und soll an bestimmten Orten Milde und Entlastung ermöglichen.

Im amerikanischen Kongress sitzen Republikaner, die Museen fördern, die bedeutende Kunst sammeln und die verhindern möchten, dass die amerikanischen Staaten ihre privat geförderten Sozialsysteme durch Trump verlieren. Es sind Systeme und Einrichtungen, die die Bildung und Kultur für viele Amerikaner öffentlich machen. Sollte sich das ändern, sollte es nicht gelingen, steht dem Kunstmarkt nicht nur in den USA eine herbe Zäsur bevor. Zwischen 22 und 37% Umsatzrückgang beklagten die großen Auktionshäuser bereits 2016 im Vergleich zu den starken Jahren zuvor. Galerien und kleinere Betriebe verzeichneten in Teilen noch schlechtere Ergebnisse. Wenn die amerikanischen Museen steuerlich auf einmal behindert werden, nachdem sie vielfach neu gebaut und kontinuierlich steigende Besucherzahlen verzeichnet haben, könnte sich eine Lawine bilden, die den Wert von Kunst nicht nur der Zeitgenossen stark zu schmälern droht, weil sich diese auf einmal andere Käuferschichten als eine inzwischen breite kunstinteressierte Öffentlichkeit suchen muss. 

Die Berenberg Art Consult hofft, dass das Bangen um solche Verschlechterungen bis zur Jahresmitte verfliegt. Die Kunstszene soll weiter atmen dürfen. Die amerikanische Bevölkerung lebt.

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